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Malteser Drensteinfurt

Demenzbegleiter 2015

Kurstag 1 : Kursauftakt

Auf große Resonanz stieß der von Cafe Malta/Malteser in Zusammenarbeit mit dem Demenz-Service-Zentrum Münsterland, der Alzheimer-Gesellschaft im Kreis Warendorf und letztendlich der AOK angebotene Kursus zum Thema Demenz. Mehr als 30 interessierte Teilnehmer konnten von Hedwig Eckhoff, Malteser-Hilfsdienst, und Annette Wernke vom Demenz-Service-Zentrum  in der Malteser-Unterkunft begrüßt werden. Annette Wernke stellte zunächst den Verlauf der 8 angesetzten Abende vor und erläuterte die angebotenen Inhalte. Danach tauschten die Teilnehmer in einer Vorstellungsrunde ihre Probleme und Sorgen bei der derzeitigen Pflegesituation zuhause aus, bekamen dazu bereits viele Infos von der Referentin und Hinweise, an welchen Kurstagen besonders auf einzele Situationen eingegangen wird. Schnell wurde allen klar, wie umfangreich das Gebiet der Demenz sein kann, wie unterschiedliche die einzelnen Verläufe sein können und wie flexibel die Pflegenden bei der Betreuung sein müssen. Nicht zu unterschätzen ist dabei die Notwendigkeit, Hilfe von aussen anzunehmen, sich selber ausreichende Auszeiten zu nehmen und letztendlich - so schlimm auch alles ist - die Heiterkeit im Umgang mit den Erkrankten nicht zu vergessen.

 

 

Kurstag 2 : Demenzerkrankungen aus ärztlicher Sicht

Mehr als 40 Zuhörer waren aufmerksam bei der Sache, als Cafe Malta in Zusammenarbeit mit dem Demenz-Service-Centrum Münsterland zum 2. Abend der des Pflegekurses "Demenz" eingeladen hatte. Frau Dr. Birgit Salomon referierte zu"Demenzerkrankungen aus ärztlicher Sicht" und gab zunächst kurze Infos zur Geschichte der Erkrankung, die mittlerweile zu einer regelrechten Volkskrankheit mutiert ist und immer mehr Familien vor große Probleme stellt. Unter dem Oberbegriff "Demenz" gibt es zahlreiche Erkrankungen, die zwar unterschiedliche Ursachen haben, aber im Endeffekt die gleichen geistigen Defizite und Symtome zeigen. Die bekannteste Form ist die Alzheimer-Demenz. Diese kommt nicht über Nacht. Experten gehen von rund 30 Jahren asymptomatischem Verlauf aus, bevor sich die Krankheit bemerkbar macht. Dann verdichtet sich der Nebel des Vergessens in drei Phasen. Eine Heilung ist bis heute nicht möglich. Es gibt jedoch Medikamente, die den Verlauf einige Zeit verlangsamen können und damit noch einige Jahre eigenverantwortliches Leben ermöglichen.
Die sogenannte "vaskuläre Demenz" ist nach Alzheimer die häufigste Form der Demenz. Verantwortlich für die Durchblutungsstörungen sind kleine Schlaganfälle, also krankhafte Veränderungen der Gefäße. Heilbar ist die vaskuläre Demenz nicht. Sie sollte aber möglichst früh behandelt werden.
Weitere Demenzen können durch z. B. Schlaganfall, Parkonsonerkrankung, Tumore usw. verursacht werden.
Im zweiten Teil des Abends stellte sich Frau Dr. Salomon den Fragen der Zuhörer, sprach über den Umgang mit der Krankheit, und die Auswirkungen auf die Familie. Man sollte nie vergessen, daß nicht böser Wille oder Absicht hinter oft auch aggressiven Verhaltensweisen stecken, sondern der Mensch krank ist und in seiner Hilflosigkeit von Angst und Unsicherheit getrieben wird.
Nicht zu vernachlässigen ist dabei allerdings auch die eigene Fürsorge der Pflegenden. Man sollte sich niemals völlig aufreiben in dieser Aufgabe sonder sich auch entsprechende Auszeiten gönnen und Hilfe annehmen. Dazu gibt es in Drensteinfurt viele Möglichkeiten, die auch unter dem "Netzwerk Demenz" zusammengefasst sind. Tagespflege, Kurzzeitpflege und auch häusliche Betreuung sind neben der stationären Unterbringung gute Alternativen, die noch lange Zeit ein Leben zuhause ermöglichen können.
Hedwig Eckhoff von Cafe Malta dankte Frau Dr. Salomon für diesen wieder einmal sehr aufschlußreichen Vortrag und wies auf den nächsten Termin hin.

Kurstag 3 : Hilfreiche Umgangsweisen und Kommunikation mit Menschen mit Demenz

Rund 40 Gäste hatten sich in der Malteserunterkunft eingefunden, um  Eva Maria Anslinger über "Hilfreiche Umgangsweisen und Kommunikation mit Menschen mit Demenz" sprechen zu hören und über den Umgang mit den Erkrankten und seinen Verhaltensauffälligkeiten zu diskutieren. Für alle Betroffemem ist es sehr schmerzlich, zu erfahren, daß normale Gespräche mit Mutter, Vater oder Partner immer schwieriger werden und man versuchen muß, sich in die Situation des Betroffenen zu versetzen. Sehr hilfreich ist dabei das Bild einer großen Bücherwand vergleichbar mit allen Lebenserfahrungen, die im Gedächtnis des Menschen gespeichert sind. Aus dieser Bücherwand fallen zunächst viele Blätter (=Erinnerungen) heraus und später ganze Bände, so daß immer mehr Wissen und Erinnerung verlorengeht.
Angehörige sollten sich auf ihr demenzkrankes Familienmitglied einstellen – denn umgekehrt geht es nicht mehr. Sinnlos ist es beispielsweise, einen demenzkranken Menschen darauf hinzuweisen, dass Sie ihm eine Frage vor fünf Minuten schon einmal beantwortet haben. Vielmehr löst dies unter Umständen Aggressionen und Konflikte aus. Um eine Eskalation zu vermeiden, sollte man geduldig auf diese Wiederholungen reagieren, auch wenn es schwerfällt.
Wichtig ist auch zu verstehen, dass Demenzkranke Vergangenheit und Gegenwart durcheinanderbringen. Gutes Zureden und Argumente holen sie nicht aus ihrer Realität zurück. Vielmehr sollten sich die Gesunden auf diese Realität einlassen. Dazu gehört, die Äußerungen, Gefühle und das Verhalten der Kranken zu verstehen. Am Anfang kann durch unauffällige Hilfen wie kleine Merkzettel zu schreiben, gemeinsam Dinge zu erledigen und immer wieder Aktivitäten anzuregen noch ein relativ eigenständiges Leben ermöglicht werden. Aber mit dem Verlust der ständig abnehmenden Erinnerungen wird das immer weniger werden.
Wie wir alle brauchen auch Demenzkranke Lob und Bestätigung. Nicht über Vergessenes sollte diskutiert werden, sondern über gut gemachte Dinge. Falsch abgelegte Sachen können stillschweigend an ihren richtigen Platz gelegt werden, die Konfrontation wegen der Brille im Kühlschrank bringt nichts! Blickkontakt im Gespräch ist wichtig. Die Fragen sollten kurz und einfach gestellt werden und mit ja oder nein zu beantworten sein. "Oder"-Fragen können große Probleme auslösen oder bringen einfach immer ein ja auf die zuletzt gestellte Möglichkeit. Ironie oder übertragene Bedeutungen werden nicht mehr verstanden.
Ein strukturierter Tagesablauf und tägliche Routine geben Sicherheit und vermeiden Angstgefühle. Neues sollte vermieden werden und ehe ein neuer Schlafanzug strikt abgelehnt wird und endlose Diskussionen auslöst, kann durchaus der alte weitergetragen werden, auch wenn er den "Ansprüchen" der Angehörigen nicht mehr genügt.
Irgendwann ist eine verbale Kommunikation garnicht mehr möglich. Es bleiben aber beim Erkrankten immer noch Emotionen und Gefühle. Viel Ruhe und Geduld ist jetzt erforderlich. Musik, Gedichte aus der Schulzeit und Bilder aus der vergangenen Kinder- und Jugendzeit bringen Erinnerungen wieder hoch und können zu überraschenden Reaktionen führen. Lieder mit allen Strophen werden plötzlich mitgesungen und Begleiter aus Kinder- und Jugendtagen wiedererkannt.
Wichtig ist im Laufe der Zeit allerdings auch, Beschwerden medizinisch abklären zu lassen. Sind die Augen in Ordnung und wie steht es mit dem Hörvermögen? Depressionen und Psychosen können ebenfalls entstehen und auch dafür gibt es medikamentöse Möglichkeiten, Angstzustände und soziale Rückzüge zu behandeln.
Die Zuhörer hatten noch viele Fragen zu ihren eigenen Angehörigen und Eva Maria Anslinger stand auch hier mit Rat und Tag zur Seite.
Sie machte noch einmal deutlich, das die Demenz eigentlich eine Krankheit für die Angehörigen ist, die bei Pflege und Betreuung zuhause vor einer gewaltigen Aufgabe stehen, die sehr viel Verständnis, Geduld und Liebe erfordert. Auch auf die eigenen Befindlichkeiten sollte man dabei achten und rechtzeitig immer wieder Hilfe in Anspruch nehmen.
Hedwig Eckhoff von Cafe Malta bedankte sich für diesen wieder einmal sehr ans Herz gehenden Abend und freute sich, daß alle Teilnehmer viele neue Erfahrungen und Erkenntnisse mit in den Pflegealltag nehmen konnten.

Kurstag 4 : Manchmal wird mir alles zuviel

"Manchmal wird mir alles zuviel" - Dieses Ohnmachtsgefühl überfällt irgendwann jeden, der mit der Betreuung eines Menschen mit Demenz  zu tun hat. Annette Wernke vom Demenz-Service-Zentrum Münsterland hatte sich das Problem im 4. Teil des Demenz-Kursus zum Thema gemacht und sprach über den Umgang mit einen Gefühlen und wie man auf sich selber aufpassen sollte, um nicht selber unterzugehen!
Sie ging zunächst auf die Resilienz im Pflege- und Betreuungsalltag ein, die jeder Mensch einsetzen kann, um Krisen unbeschadet zu überstehen. Sie bezeichnet die innere Stärke eines Menschen, um Konflikte, Misserfolge, Niederlagen oder Lebenskrisen (Demenz!) zu meistern und damit zurechtzukommen. Resilienz ist eine Art seelische Widerstandsfähigkeit oder Unverwüstlichkeit, eigentlich das Immunsystem der Seele! Belastungen können dabei eher als Herausforderung denn als Problem oder unlösbare Krise erlebt werden.
Eigene Ressourcen sollten erkannt und gefördert werden.
Der Fokus sollte also nicht auf Defizite oder Probleme des erkrankten Angehörigen gelenkt werden, nicht auf das, was wieder einmal nicht gelungen ist und nicht auf den Rückzug in die Isolation. Man sollte vielmehr die noch vorhandenen Fähigkeiten fördern, sich über gelungene Aktionen freuen und zu dem Menschen stehen.
Die Anforderungen an pflegende und betreuende Angehörige sind also sehr groß. Gefordert sind Toleranz gegenüber den Verhaltensweisen des Erkrankten, Einfühlungsvermögen, große Belastbarkeit, hohe Flexilibität, Verantwortungsbewußtsein und Managementfähigkeiten. Dazu kommen hohe Flexilibität im Alltag, Ruhe und Gelassenheit in Krisensituationen und viel Fantasie, um den Erkrankten abzulenken oder den Alltag zu gestalten.
Wichtig ist daher also die Akzeptanz der Erkrankung, Optimismus beim Umgang mit ihr und vor allen Dingen eine Lösungsorientierung, um nicht zu erstarren, sondern aktiv zu werden.
Man muß zunächst Selbstverantwortung übernehmen und dabei vor allen Dingen auch an das eigene Befinden denken. Dazu können Beziehungen und Netzwerke gesucht werden, um ein helfendes Umfeld zu schaffen und die Pflege und Betreuung für die Zukunft zu gestalten. "Sich selbst regulieren" ist dabei ganz wichtig, denn wenn der Betreuende ans Ende seiner Kräfte kommt, ist damit auch der Erkrankte schlimm betroffen!
Aus der betroffenen Zuhörerrunde kamen noch viele Frage, die Annette Wernke mit viel Fachwissen und helfenden Hinweisen  beantworten konnte. Wieder einmal kommen die Teilnehmer viel erfahren und für Lösungsmöglichkeiten für ihre eigenen Probleme zuhause aufnehmen. Hedwig Eckhoff dankte der Referentin für einen wieder mal sehr spannenden und ausführlichen Vortrag.

Kurstag 5:Fakten und der Frage"Was, wie, wo und wann"

Nachdem an den vergangenen Abenden des Demenz-Pflegekurses die Krankheit, der Erkrankte und der Umgang mit ihm im Vordergrund stand, ging es im 5. Teil umd Zahlen, Fakten und der Frage"Was, wie, wo und wann"  bei den regionale Unterstützungsmöglichkeiten bei dem täglichen Kampf mit der Krankheit und den dadurch entstehenden Kosten. Martin Kamps von der Pflege- und Wohnberatung Ahlen gab Tipps und Ratschläge über entlastende Angebote und finanzielle Möglichkeiten, die zur Verfügung stehen. Entscheidend ist dabei zunächst aber die Einstufung in eine Pflegestufe, um Anspruch auf das zustehende Pflegegeld zu haben.
Danach kann entschieden werden, ob eine Pflege alleine möglich ist oder ein Pflegedienst engagiert wird. Weitere Hilfen gibt es bei nötigen Auszeiten der Pflege, sei es, um in Urlaub zu fahren, eine Kur anzutreten, einem Arztbesuch, einem dringend gebrauchten freiem Wochenende oder auch nur einem ruhigen Nachmittag zuhause. Dafür können Tagespflege und Kurzzeitpflege oder auch eine Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden. Dafür stehen weitere Gelder durch die Pflegekasse zur Verfügung. Ebenfalls unterstützt werden Betreuungs- und Entlastungsleistungen mit monatlichen Beträgen je nach Pflegestufe. Da die einzelnen Ausführungsbestimmungen dazu teilweise nur sehr schwer zu verstehen sind, ist eine neutralge und kostenlose Einzelberatung bei der Pflege- und Wohnberatung "Alter und Soziales" in Ahlen sinnvoll. Martin Kamps steht dazu gerne zur Verfügung und ist unter Telefon 02382/4090 zu erreichen.
Weitere wichtige Informationen gab es zu möglichem Urlaub mit einem Angehörigen mit Demenz, zu der Finanzierung möglicher Umbauten in der Wohnung um Barrierefreiheit bzw. Barrierearmut zu erreichen. Auch ein möglicher Umzug in eine entsprechende Wohnung kann auf Antrag finanziell unterstützt werden.
Den aufmerksamen Zuhörern rauchte hinterher nach den vielen Informationen und Zahlen buchstäblich der Kopf. Viele Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, noch einmal persönliche Fragen zu stellen. Hedwig Eckhoff von Cafe Malta dankte dem Referenten für diesen äußerst informativen Abend

Kurstag 6: "Beschäftigungsmöglichkeiten eines Menschen mit Demenz"

"Beschäftigungsmöglichkeiten eines Menschen mit Demenz" war das Thema des 6. Teils des Demenz-Pflegekurses von Cafe Malta und dem Demenz-Service-Zentrum Münsterland. Krankenschwester Christiane Mitlewski von der Pflegeeinrichtung Reginenhaus in Rhynerns gab viele praktischen Hinweise für fordernde, aber nicht überfordernde Aktivitäten im Umgang mit den an Demenz erkrankten Angehörigen zuhause. Sie wies darauf hin, daß es zunächst sehr wichtig ist, dem täglichen Leben eine Tagesstruktur zu geben. Dazu gehört zunächst viel Stimulation und Anerkennung. Kleine alltägliche Aufgaben können je nach Fortschreiten der Erkrankung noch erfüllt werden, auch wenn dabei schon viel Unterstützung und Hilfestellung nötig sind. Tisch decken, Handtücher falten oder auch Spaziergänge mit Haustieren und deren Versorgung sind Tätigkeiten, die auf jeden Fall auch gelobt werden sollten. Spaziergänge an der frischen Luft, evtl. ein Schaufensterbummel oder - wenn alleine nicht mehr möglich - die Inanspruchnahme einer Ergotherapie sorgen für Bewegung und körperliche Aktivität. Ein Leben lang ausgehrte Tätigkeiten sind auch in begrenztem Rahmen jetzt noch möglich, z. B. kleine Reparaturen im Haushalt, Stricken, Sticken oder Putzen. Gemeinsames Singen oder Hören von alten Liedern und Schlagern bringt verblüffende Erkenntnisse. Auch Menschen, die nur noch wenig regen, singen von vielen Liedern noch alle Strophen mit. Auch Gottesdienstbesuche werden gerne wahrgenommen. Reime und Sprichwörter haben einen hohen Erkennungswert. Fotos aus Kindheit und Jugend bringen ebenfalls viele Erinnerungen. Hierbei können bei den Menschen mit Demenz tolle Erfolgserlebnisse wahrgenommen werden. Sie haben das Gefühl, "noch etwas zu können oder zu wissen!". Viele Erinnerungen tauchen aus dem Langzeitgedächtnis wieder auf und werden freudig wiedergegeben. Um solche gemeinsamen Aktivitäten zu finden, ist es wichtig, durch Biografiearbeit Informationen über das Vorleben der Erkrankten informiert zu sein und frühere Vorlieben und Abneigungen zu kennen. Geachtet werden sollte aber auch darauf, daß der Erkrankte für solche Aktionen immer nur begrenzte Zeit zu begeistern ist. Man sollte ihn mit Beschäftigung nicht überfordern. Auch wenn er noch gerne vor dem Fernseher sitzt, ist eine "Dauerberieselung"  nicht immer förderlich! Jetzt werden u. U. auch Zeiten der Ruhe und Erholung notwendig. Man kann bei Besuchen auch gut "zusammen schweigen" und einfach mal den Gedanken nachhängen. Insgesamt gab Christiane Mitlewski den Zuhörern einen großen Korb voller Möglichkeiten, um viele Stunden mit ihren Angehörigen zuhause sinnvoll zu gestalten und beantwortete zum Schluß auch noch die zahlreichen Fragen zu persönlichen Problemen.

Kurstag 7: "Wie verläuft die Begutachtung? "

Wie verläuft die Begutachtung? Wie kann ich mich darauf vorbereiten? Das sind drängende Fragen, die sich jeder stellt, der einen Antrag auf Pflegeeinstufung bei der Pflegekasse stellen will. Ausführliche Informationen dazu in verständlicher Form gab B. Ziese, Arzt vom MDK am vergangenen Montag. Zunächst einmal erklärte er die gesetzlichen Grundlagen der Pflegebegutachtung, wobei die Pflegebedürftigkeit nach SGB XI festgestellt wird. Geregelt wird dieses in Begutachtungsrichtlinien, Pflegebedürftigkeitsrichtlinien und Härtefallrichtlinien. Eingeschränkte Alltagskompetenz und entsprechende Gerichtsurteile fließen dabei ebenfalls ein.  Die Pflegebedürftigkeit ist eine willkürliche Festlegung der Juristen und nach juristischer Definition keine medizinische Frage.Pflegebedürftig sind danach Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen. Der Fremdhilfebedarf muß täglich und auf Dauer in der Grundpflege notwendig sein. Tätigkeiten bei Körperpflege, Ernährung und Mobilität gehören dabei zur Grundpflege. Entsprechende Fremdhilfe ist dann die vollständige Übernahme der Pflege, eine Teilübernahme, Anleitung, Unterstützung und Beaufsichtigung bei den Tätigkeiten. Leistungen aus der Pflegeversicherung kann nur in Anspruch nehmen, wer eine Pflegestufe hat. Ist der entsprechende Antrag gestellt, kommt es durch den MDK zur Pflegebegutachtung, die immer durch einen Hausbesuch erfolgt. Der Fremdhilfebedarf wird festgestellt: "Was? Wie oft? In welcher Form und wo, wann und warum" sind dann die zu klärenden Fragen. Vorhandene Arztbriefe, Rehaberichte, ein erstelltes Pflegetagebuch, Besonderheiten bei eigenen Erlebnissen sind wichtige Informationen für den begutachtenden MDK-Mitarbeiter. Speziell für Menschen mit Demenz gibt es die sogenannte "Pflegestufe 0" als Sachleistung zur zusätzlichen Betreuungsleistung. Voraussetzungen dafür sind "... demenzbedingte Fähigkeitsstörungen, geistige Behinderungen oder psychische Erkrankungen mit dauerhafter erheblicher Einschränkung der Alltagskompetenz mit resultierendem regelmäßig und auf Dauer bestehendem Beaufsichtigungs- und Betreuungsbedarf." Was ist zu tun, wenn der Antrag auf Pflegeeinstufung abgelehnt wird, weil die erforderlichen Pflegezeiten nicht erreicht werden? Der Referent wies auf die Möglichkeit des Einspruchs hin, der durchaus gerade bei demenziell Erkranken oft Erfolg hat, da in diesem Krankheitsverlauf sich schnell Änderungen ergeben und der Hilfebedarf sich in kurzer Zeit sehr erhöhen kann. Die Teilnehmer des Abends gingen mit vielen neuen Erkenntnissen nachhause, hatten einen guten Einblick in die schwierige Arbeit der Gutachter und auch Verständnis für viele Entscheidungen. Hedwig Eckhoff bedankte sich bei Bernd Ziese für den für alle gut verständlichen Vortrag.

Krusabschluss

Annette Wernke vom Demenz-Service-Zentrum Münsterland gestaltete den letzten Abend des Demenz-Pflegekurses und ließ noch einmal die vergangenen Termine Revue passieren. Gemeinsam mit den über 30 Zuhörern wurden alle bearbeiteten Themen noch einmal angesprochen und offene Fragen dazu beantwortet. Die Teilnehmer berichteten über ihre bisherigen Erfahrungen damit und wie sie das neu Gehörte bereits erfolgreich in ihren Umgang mit den Erkrankten anwenden konnten. Sie waren dankbar für die zahlreichen Hinweise auf Hilfsmöglichkeiten, sei es in der Pflege, im täglichen Umgang oder der Hilfe von außen. Es zeigte sich, daß alle Referenten sehr kompetent in ihrem Thema waren und auch in den vielen Einzelfällen konkrete Hilfsmöglichkeiten aufzeigen konnten. Dieser Demenz-Pflegekurs - angeboten von Cafe Malta/Malteser Drensteinfurt, dem Demenz-Service-Zentrum Münsterland und der Alzheimer-Gesellschaft im Kreis Warendorf, und letztendlich finanziert von der AOK stellte alle Teilnehmer sehr zufrieden und Annette Wernke konnte allen das dazugehörige Zertifikat überreichen. Hedwig Eckhoff bedankte sich noch einmal ganz herzlich für die Organisation und die ständige Bereitschaft, bei allen Problemen rund um die Demenz ansprechbar zu sein. Besonders wies sie noch einmal auf einen neuen Termin im Rahmen des Cafe Malta hin. Am 16. September gibt es im Rahmen des Cafe Malta eine offene Gesprächs- und Diskussionsrunde für Angehörige von Menschen mit Demenz, wobei besonders die Teilnehmer aller bisherigen Pflegekurse eingeladen sind. Beginn ist dann um 20 Uhr in der Malteser-Unterkunft an der Sendenhorster Straße.

Weitere Informationen

Hedwig Eckhoff
Café Malta
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