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Malteser Drensteinfurt

Demenzbegleiter 2016

"Betreuung und Pflege in der Familie"

Am Montagabend begann die Kursreihe der Maltser (Cafe Malta) für pflegende und betreuende Angehörige von Menschen mit Demenz. "Betreuung und Pflege in der Familie" war Thema des Abends und fast 30 Teilnehmer hatten sich dazu eingefunden. Leider war die Referentin Annette Wernke vom Demenz-Servicezentrum Münsterland kurzfristig verhindert, so daß Hedwig Eckhoff vom Drensteinfurter Malteser-Hilfsdienst die Eröffnung übernahm. Zunächst wurde der Ablauf der 8 Abende vorgestellt und die Teilnehmer konnten sich untereinander Kennenlernen und sich über ihre derzeitige Pflegesituation zuhause austauschen. Jede Familiensituation stellte sich anders da und bereits am ersten Abend konnten Hedwig Eckhoff und ihre Mitstreiterinnen vom "Tag für mich"  -  Irmgard Avermann, Doris Stephan, Renate Pokorny und Ursula Kunz - zu vielen Situationen Stellung nehmen und aus eigenem Erleben berichten. Von vielen Auswirkungen der demenziellen Erkrankung auf die Familien wurde berichtet und erste Hilfestellungen wurden gegeben. Hedwig Eckhoff erklärte, welche Bereiche in den folgenden Abenden gesondert behandelt werden.

"Demenzerkrankungen aus ärztlicher Sicht"

Mit knapp 30 Teilnehmern wieder außerordentlich gut besucht war der zweite Tag der Kursreihe für pflegende und betreuende Angehörige von Menschen mit Demenz. Dr. med. Birgit Salomon berichtete über Demenzerkrankungen aus ärztlicher Sicht. Zunächst einmal erklärte sie den Begriff Demenz (ohne Geist) und zeigte die verschiedenen Arten der Erkrankung auf. Am geläufigsten dabei ist die Alzheimer-Demenz, die mit fast zwei Drittel den gößten Anteil hat und auch am bekanntesten ist. Darauf folgt die vaskuläre Demenz, die durch Gefäßveränderungen des Gehirns verursacht wird. Verursacht wird sie durch Durchblutungsstörungen im Gehirn und kleine Schlaganfälle.
Wenig bekannt sind noch weitere Demenzarten, die z. B. Folgen anderer Erkrankungen sein können.
Der Weg zu einer Diagnose ist sehr lang. Zusätzlich verläuft Alzheimer nicht bei allen Erkrankten nach dem gleichen Schema. Besonders in der ersten Zeit unterscheiden sich die Symptome von Fall zu Fall. Persönlichkeit, Bildungsstand, Lebensverhältnisse und nicht zuletzt die körperliche Verfassung beeinflussen das Erscheinungsbild der Krankheit. Viele Auffälligkeiten können auch bei anderen Erkrankungen auftreten und müssen abgeglichen werden.
Frau Dr. Salomon gab dazu viele praktische Beispiele und Hinweise im Umgang mit demenziell erkrankten Menschen und machte deutlich, wie sich dabei z. B. die Demenz von "normalter Altersvergesslichkeit" unterscheiden kann. Unter den Zuhörern entwickelten sich zahlreiche Diskussionen über entsprechendes Erleben in den eigenen Familien. Dabei zeigte sich, daß zwar alle Erkrankten persönliche Muster haben, letztendlich aber immer wieder die gleichen Probleme im Umgang entstehen.
Obwohl die Forschung zu den Ursachen der Erkrankung immer wieder Fortschritte macht, ist eine Heilung bis heute nicht möglich. Bei sehr frühen Diagnosen kann der Verlauf der Krankheit verzögert werden, aber letztendlich helfen kann ärztlicherseits nur die Behandlung der Krankhkeitssymtome. Begleitende Depressionen, Unruhe und Angstzustände können gemindert werden. Wichtig ist es für die Angehörigen, sich über die Krankheit ausführlich zu informieren, ruhig zu bleiben und rechtzeitig Hilfe anzunehmen.
Hedwig Eckhoff bedankte sich herzlich für diese umfangreichen Informationen bei Frau Dr. Salomon.

"Hilfreiche Umgangsweisen und Kommunikation mit Menschen mit Demenz"

Eva Maria Anslinger, examinierte Krankenschwester, Dipl.-Pädagogin und Fachtherapeutin für kognitives Training, sprach über hilfreiche Umgangsweisen und Kommunikation mit Menschen mit Demenz. Was passiert in den Familien, wenn Angehörige plötzlich "schwierig" werden, wenn sie plötzllich Verhaltensweisen zeigen, die das tägliche Leben auf den Kopf stellen können, aggressiv werden oder sich total zurückziehen? Man solte die Betroffenen dann aufmerksam beobachten und zunächst auch versuchen, mögliche Ursachen zu finden. Viel Trinken, ein Besuch beim Augenarzt und Überprüfung des Gehörs können hier schon manche Probleme verringern. Wenn sich dann weiterhin deutliche Gedächtnisschwierigkeiten zeigen, Antriebslosigkeit, Interessenverlust an liebgewordenen Dingen, Orientierungslosigkeit und fehlendes Zeitgefühl, müssen die Angehörigen sich auf beginnende Demenz einstellen. Die Krankheit muß angenommen und die Achtung vor dem Erkrankten bewahrt werden. An vielen Beispielen zeigte Eva Maria Anslinger, welche Situationen im Zusammenleben einfach "ausgehalten" werden müssen. Gemeinsame Erinnerungen an die guten Zeiten (Fotos, Erzählungen von früher) lassen schöne friedvolle Zeiten wieder aufleben. Zu einer angemessenen Begleitung in der frühen Phase der Demenz gehört es, lange die Selbstständigkeit zu erhalten, nicht zu früh Aufgaben abnehmen, mögliche Gefährdungen im Alltag zu erkennen und die Biographie des Erkrankten aufleben zu lassen.  Anforderungen sollten an das vorhandene Vermögen angepasst und Misserfolge vermieden werden. Von Seiten der Betreuenden ist viel Taktik und Diplomatie nötig, um die vorhandene Fassade zu akzeptieren und den Tagesablauf durchzustrukturieren.  Auf Missgeschicke und Fehler aufmerksam zu machen, sollte vermieden werden. Diskussionen, Argumente und Vorwürfe ebenfalls. Fragen, die nicht beantwortet werden können oder verstärktes Gedächtnistraining sind kontraproduktiv und frustrieren nur.
 Falsch verwendete Begriffe zu korrigieren, Sätze verbessern oder zu früh ins Wort fallen lassen den Erkrankten resignieren und schweigen. Man sollte ihm immer auf Augenhöhe begegnen, langsam und deutlich und in kurzen Sätzen sprechen.

"Demenzerkrankung aus ärztlicher Sicht "

Frau Dr. Salolom

Nachdem die zahlreichen Teilnehmer der Kursreihe für pflegende und betreuende Angehörige von Menschen mit Demenz an den ersten Tagen von Frau Dr. Salolom ausführlich über die Demenzerkrankung aus ärztlicher Sicht informiert wurden und Dipl. Päd. Eva Maria Anslinger in anschaulicher und verständlicher Weise über hilfreiche Umgangsweisen und Kommunikation mit Demenzerkrankten berichtete, ging es in Tl. 4 des Kurses um Beschäftigungsmöglichkeiten zuhause. Krankenschwester Beate Baldus referierte über praktische Hinweise für fordernde, aber nicht überfordernde Aktivitäten, die in der eigenen Wohnung noch möglich sind.
Zunächst einmal sollte man die Kranken so annehmen, wie sie sind. Bedürfnisse und Wünsche sollten erkundet werden, die eigene Sicht der Realität sollte wahrgenommen und berücksichtigt werden. Kritik und unnötige Zurechtweisungen bringen Frust und Ärger und können zu einem völligen Rückzug oder auch zu Aggressivität führen. Die Eigenständigkeit ist wie bei Gesunden eine Wurzel von Selbstachtung, Sicherzeit und Lebenszufriedenheit und sollte solange wie möglich erhalten bleiben. Man sollte nicht alle Aufgaben abnehmen, nur weil sie schwerer fallen als früher oder weniger gut ausgeführt werden. Da sich Demenzerkrankte leicht ablenken lassen oder durch Nebengeräusche gestört werden, ist auch die Umgebung wichtig. Helles Licht und ruhige Umgebung, keine Stolperfallen in der Wohnung  und auf keinen Fall ständige Berieselung durch Radio oder Fernsehen. Eine gut lesbare Uhr und ein Kalender, auf dem das jeweilige Datum markiert wird, erleichtern die zeitliche Orientierung. Gewohnte Tätigkeiten wie z. B. Hilfe beim Tischdecken oder Kartoffelschälen und Gartenarbeit geben ein Gefühl der Zugehörigkeit und des Gebrauchtwerdens. Gemeinsames Singen, Spielen oder Musizieren bringt immer viel Spaß, hebt die Stimmung und verbessert die Mobilität. Fotos aus der Vergangenheit wecken Erinnerungen,regen zum Erzählen an und bringen immer wieder Gesprächsstoff. Nicht vergessen werden darf dabei aber, daß Menschen mit Demenz viel Ruhe brauchen und sich immer wieder Auszeiten nehmen. Nicht der ganze Tag muß verplant sein. Auch einfach mal im Sessel sitzen und ausruhen muß möglich sein. Man kann sich z. B. dazusetzen, die Hand halten, vielleicht eine kleine Massage anbieten und gemeinsam die Ruhe genießen.
Es gibt also unzählige Möglichkeiten, zuhause Aktivitäten durchzuführen. Dazu sind keine großen Aktionen nötig. Einen durchstrukturierten Tagesplan mit alltäglichen Beschäftigungen, Aufmerksamkeit, Rücksicht und Liebe zu füllen, ist schon eine große Aufgabe für die Angehörigen, die sich dann allerdings auch mal Zeit für sich selber nehmen müssen und Hilfsangebote von aussen annehmen sollten.

"Sturzprophylaxe"

Weiterhin sehr gut besucht ist immer wieder das Kursabgebot von Cafe Malta für pflegende und betreuuende Angehörige von Menschen mit Demenz. Am Montagabend mußte die Referentin leider absagen. Hedwig Eckhoff vom Cafe Malta nutzte die Gelegenheit, um auf viele Fragen und Wünsche der Teilnehmer einzugehen. Irmgard Avermann und Ursula Kunz erzählten ausführlich von den Angeboten des Cafe Malta, um Angehörige zu entlasten. Der "Tag für mich" als ganztägiger Betreuungstag gibt des Pflegenden einmal Gelegenheit, einen ganzen Tag in Ruhe für sich zu nutzen - sei es, um wichtige Aufgaben zu erledigen oder einfach einmal durchatmen zu können. Angehörige von bereits an diesem Tag teilnehmenden Gästen gab es zufriedene Rückmeldungen. Das Angebot wird immer gerne wahrgenommen und begeistert. Ähnlich ist es mit der ebenfalls monatlich angebotenen "Kaffeerunde", einem Treff von Erkrankten und ihren Angehörigen.
Am Mittwoch gab es dann einen Doppeltermin. Zunächst ging es um "Sturzprophylaxe". Bettina Neuhaus, Fachkraft "Bewegt älter werden" sprach über Mobilisation im häuslichen Bereich und zeigte mit praktischen Übungen, wie Stürze durch Gleichgewichts- und Kräftigungsübungen vermieden werden können. Teppiche und Brücken als Stolperfallen und schlecht ausgeleuchtete Räume müssen beseitigt werden. Festes Schuhwerk gibt sicheren Halt. Sehkraft und Hören muß überprüft werden. Täglich ein kleiner Spaziergang und kleine Übungen, die mit alltäglichen Dingen einfach in den Tagesablauf einzubauen sind, geben Kraft und trainieren das Gleichgewicht.
Die Teilnehmer übten gleich mit und konnten praktische Erfahrungen machen.
Der zweite Teil des Abends stand unter dem Thema "Manchmal wird mir alles zuviel". Wie gehe ich in der täglichen Pflege einen Menschen mit Demenz mit den eigenen Gefühlen um? Wie pflege ich mich selbst?
Claudia Steilberg, Resilienz-Trainerin aus Telgte, sprach mit viel Engagement darüber, wie man den Herausforderungen des Lebens mit innerer Stärke und Gelassenheit begegnen kann. Resilienz ist die innere Stärke, die Menschen hilft, auch schwere Zeiten und akute Krisen zu durchstehen. Das ist eine Eigenschaft, die jeder Mensch in unterschiedlicher Ausprägung besitzt und die lebenslang weiterentwickelt werden kann. Voraussetzung dazu ist, zu akzeptieren, was unabänderlich ist und keine Kraft in Verärgerung und Resignation zu investieren. Man sollte versuchen, die Situation aus einer anderen Perspektive zu sehen und andere Handlungsspielräume zu erobern. Humor und Zuversicht und Ausschau nach allem, was hoffnungsvoll in die Zukunft schauen läßt, gibt Kraft und Mut, sich auch an den kleinen Dingen des Alltags und das Schöne im Leben zu erfreuen.
Konzentriert nach Lösungen zu suchen schärft den Blick  und aktiviert u. U. ungeahnte Kräfte und macht offen für außergewöhnliche Ideen und neue Denkansätze.
Verantwortung zu übernehmen und die Opferrolle zu verlassen, nicht einfach für viele Menschen. Aber so kann erkannt werden, daß eigene Haltung, Denken und Fühlen aus eigener Kraft positiv und kreativ verändert werden kann.
Selbstwirksamkeit, Netzwerkorientierung und Zukunftsorientierung sind weitere Faktoren, die speziell für pflegende Angehörige  zunehmend wichtiger wird.
Anhand von Beispielen aus dem Alltag zeigte Claudia Steilberg die Möglichkeiten der Resilienz und erläuterte dann die Fragen und Wünsche der Teilnehmer. Wo erhole ich mich und schöpfe neue Kraft? Wo komme ich zur Ruhe und was gibt mir neue Energie?
Jeder Mensch hat seine eigene Quelle der Kraft, sei es im Garten, mit einem schönen Buch oder einer Tasse Kaffee.

Kurs-Ende

Erfolgreich für alle Teilnehmer ging der von Cafe Malta - in Zusammenarbeit mit der AOK, dem Demenz-Service-Zentrum im Kreis Warendorf und der Alzheimer-Gesellschaft - ausgerichtete Pflegekurs Demenz zuende. Nachdem Frau Silvia Bischopink vom Sozialmedizinischem Dienst der Knappschaft-Bahn-See ausführlich über die Begutachtung von Menschen mit Demenz im Rahmen des Pflegeversicherungsgesetzes informiert hatte, kam Martin Kamps von der Pflege- und Wohnberatung Ahlen zum letzten gemeinsamen Abend. Er sprach über regionale Unterstützungsmöglichkeiten und zeigte Perspektiven auf, welche entlastenden Angebote und Hilfen es auch vor Ort für erkrankte Angehörige gibt. Neu für viele Teilnehmer waren die ausführlichen Informationen zu finanziellen Möglichkeiten, die Pflegekasse in Anspruch zu nehmen. Hier gibt es viele neue Regelungen, die in persönlichen Gesprächen anschließend noch geklärt werden konnten. Anschließend gab es einen Rückblick auf den Ablauf des Kursesn, mit dem die Teilnehmer mehr als zufrieden waren. Hedwig Eckhoff bedankte sich bei den Referenten und informierte über die weiteren Termine des Cafe Malta. Die Teilnehmer bekamen eine Bescheinigung über den erfolgreichen Abschluß des Kurses gem. §45 SGB XI, der zu niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsangeboten berechtigt, die mit der Pflegekasse abgerechnet werden können.

Weitere Informationen

Hedwig Eckhoff
Café Malta
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